5.6 Drifter (2023)
Nachdem Moritz von seinem Freund abserviert wurde, stürzt er sich als DRIFTER ins queere Nachtleben Berlins und entdeckt sich neu.
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BR Queer: 31. Juli 2025, 23:15 Uhr (TV-Premiere)
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Mit Lorenz Hochhuth ♂♂ (Moritz ♂♂), Cino Djavid (Noah ♂♂♀), Gustav Schmidt (Jonas ♂♂), Oscar Hoppe (Stefan ♂♂), Aviran Edri ♂♂ (Daniel ♂♂), Cat Jugravu nb (Kasi nb) u. a.
Regie: Hannes Hirsch ♂♂
Drehbuch: Hannes Hirsch und River Matzke
♂♂ schwul · ♂♂♀ bi · nb nichtbinär
HANDLUNG VON DRIFTER
Moritz ist 22 und gerade von seinem Freund Jonas verlassen worden, für den er eigentlich nach Berlin gezogen war. Eine Zeit lang findet er Geborgenheit bei dem älteren Noah, bis es ihm zu eng wird. Moritz ändert sein Aussehen und taucht ein in die Berliner Partyszene.
Er lebt seine unterdrückten Sehnsüchte und sexuellen Fetische aus, verliert sich aber auch zunehmend in Drogenexzessen und emotionaler Entfremdung. Erst mit Hilfe seiner queeren Freund:innen findet er heraus, wer er wirklich sein möchte.
In seinem Erotikdrama erzählt Hannes Hirsch von der Suche eines jungen schwulen Mannes zu sich selbst – und von einer Art zweitem Coming-Out. DRIFTER ist eine Reise entlang von Einsamkeit, Ausschweifungen und Kinks, stellt Fragen nach schwulen Körperbildern und nicht-heteronormativen (Wahl-)Verwandtschaften und zeichnet ein Porträt der queeren Community Berlins von heute.
QUEERfaktor: 10/10
Maximal queer, maximal emanzipiert, progressiv, sexpositiv, Gender-unterwandernd. Ich denke, ich bin nicht der einzige, der hier wehmütig an SHORTBUS denken muss. Ebenfalls queer as fuck, aber auf allen anderen Ebenen eine andere Liga. Damit will ich nicht sagen, dass DRIFTER schlecht ist, sondern dass SHORTBUS in seiner eigenen Liga spielt.
Die QUEERmdb-Leser:innen, eine vermutlich größtenteils queere Zuschauerschaft, mochten DRIFTER nicht und haben ihn auf einen der letzten Plätze im Jahresranking der besten LGBT-Filme und -Serien abgeschoben. Das hat meine Erwartungen gedämpft. Das ist immer eine komfortable Ausgangslage.
Es beginnt mit der Erektion eines Penis-Models, ein expliziter Handjob, die kurze Andeutung eines Blowjobs, you got my attention, Babe. Es ist und bleibt naturalistisch. Wir erleben den braven, etwas verklemmten Protagonisten auf seiner Reise zum Ich - so heißt es in der Salzgeber-Synopsis. Hemmungen mithilfe von Drogen abzubauen, ist allerdings alles andere als Ich-synton, the very opposite is well be true enough. Aber gut. Promotexten ist grundsätzlich nicht zu trauen.
Mir gefällt, dass Moritz bis zum Ende gehemmt bleibt, denn das ist authentisch. Man kann nicht verbimmelt durch die Welt rennen und denken, das sei die Lösung. Auch wenn viele Verbimmelte das anders sehen. Es ist natürlich eine Illusion, die auch DRIFTER verhandelt, und mündet immer in eine Katastrophe. Davon kann ich ein Lied singen. Mache ich aber nicht.
Die Katastrophe bleibt für Moritz aus, wenn man von einigen Aussetzern absieht, die sich als das Gegenteil von Ich-Reise anfühlen. Ich-Entfremdung sehe ich. Und die macht auch nicht glücklich. Moritz wird zum Sadisten und sieht dabei aus wie ein Masochist. Diese Ambivalenz ist die größte Stärke dieses Langfilmdebüts. Sie führt uns die eigene Widersprüchlichkeit vor Augen, an der wir unser Leben lang nicht genesen. Wir streben nach Kongruenz, wie Drogen eine Illusion. Wir müssen noch Chaos in uns haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können - sagt Nietzsche.
QUEERmdbFAQs
Die QUEERmdb-Leser:innen wählten DRIFTER auf Platz 17 der besten Gayfilme des Jahres. Die weiteren Platzierungen und den schlechtesten Queerfilm 2024 findest Du hier.
Hauptdarsteller Lorenz Hochhuth gehörte 2021 zu den 185 Erstunterzeichner:innen des ActOut-Manifests, bei dem sich Schauspieler:innen öffentlich als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intergeschlechtlich und nonbinär outeten.
DRIFTER ist nach den Kurzfilmen ROSA JUNGS (2008), BEACH BOY (2011) und ROUTES (2018) das Langfilmdebüt von Hannes Hirsch und hatte seine Premiere im Rahmen der Panorama-Sektion der 73. Berlinale.
Salzgeber und Björn Koll, Eigentümer und ehemaliger Geschäftsführer, sind nicht nur Verleiher, sondern auch Co-Produzenten von DRIFTER.
DRIFTER startete im November bundesweit in 24 Kinos und kam in der Startwoche auf 1.600 Zuschauer.



