DRAMAqueen USERaward 2025: Die besten Lesbischen Filme des Jahres
Nachdem wir zuletzt das Community-Ranking der beliebtesten Gay-Filme 2025 vorgestellt haben, widmen wir uns nun der anderen Seite der queeren Leinwand: den besten Lesbischen Filmen des Jahres. Und so viel vorweg: Zwei Streaming-Hits haben unsere Leserinnen besonders begeistert.
Johannes Jarchow und Heide Witt | 22.04.2026
Dass lesbische Figuren in Filmen und Serien deutlich seltener vorkommen als schwule, ist kein Geheimnis - und lässt sich auch mit einem gelegentlichen Blick ins TV-Programm schnell bestätigen. Unsere mittlerweile 16 Jahre umfassende Datenerhebung unterstreicht diesen Eindruck: Es gab nur ein Jahr (2022), in dem die Mehrheit aller queeren Charaktere im Kino lesbisch waren.
Auch 2025 bleibt das Bild eindeutig: Von 777 ausgewerteten bundesweiten Kinostarts wiesen 46 eine lesbische Thematik auf (5,9 %) - oft genug allerdings nur am Rand der Handlung. Schwule Charaktere waren dagegen in 64 Filmen vertreten (8,2 %). Immerhin: Gegenüber 2024 entspricht das einem spürbaren Zuwachs von 2,4 beziehungsweise 1,2 Prozentpunkten.
Etwas anders - und vor allem schwankungsanfälliger - präsentiert sich die Lage bei Direct-to-Video-Veröffentlichungen (DVD, Blu-ray, Stream*). Hier enthielten im letzten Jahr 6,3 % der Filme und Dokumentationen (ab 70 Minuten Laufzeit) mindestens eine lesbisch erkennbare Person, während nur 3,4 % eine schwule Person hatten (3,9 % bisexuell, 0,8 % transgender).
An den Kinokassen hatte ein lesbisch-inklusiver Film klar die Nase vorn: BABYGIRL knackte die Marke von 300.000 Besucherinnen und ließ damit WE LIVE IN TIME sowie ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST hinter sich. Bei den Produktionen mit lesbischer Hauptthematik lagen DIE JÜNGSTE TOCHTER, HONEY DON'T und OSLO STORIES: TRÄUME vorne.
Und was sagt die Community? Wie jedes Jahr haben unsere Nutzerinnen alle relevanten Filme auf einer Skala von 1 (Shit) bis 10 (Hit) bewertet - mit einem durchaus versöhnlichen Ergebnis: Kein Titel fiel komplett durch.
Das Schlusslicht bildet die Dramedy AM I OK?, die 2024 noch an zu wenigen Stimmen scheiterte, um überhaupt ins Ranking zu kommen. Das inzwischen auf Netflix verfügbare Regiedebüt von Stephanie Allynne (THE L WORD: GENERATION Q) und Tig Notaro (ONE MISSISSIPPI) landet bei soliden 5.9/10.
Knapp davor positioniert sich DER SCHÖNE SOMMER mit guten 6.2 Punkten, gefolgt von der überdrehten Komödie HONEY DON'T, die es auf 6.4 bringt - und damit immerhin nicht ganz am unteren Ende hängen bleibt.
Bleibt die entscheidende Frage: Wer hat 2025 wirklich abgeliefert? Hier kommen die fünf durchschnittlich am höchsten bewerteten Lesbischen Filme des Jahres …
* Ohne die Eigenproduktionen der Streaminganbieter wie Netflix, Prime, Disney+ etc.
Platz 5: On Swift Horses (7.2/10)
Daniel Minahan (Regie) und Bryce Kass (Drehbuch) haben Literatur verfilmt - und das merkt man. Ihr Liebesfilm ist plotgetrieben wie ein wildes Pferd.
Muriel (großartig: Daisy Edgar-Jones) liebt ihren verständnisvollen Mann - doch sie begehrt ihre Nachbarin (Sasha Calle). Im Kalifornien der 1950er Jahre ist das mehr als nur ein Dilemma. ON SWIFT HORSES verwebt Tragik und Gewalt mit einem überraschend hoffnungsvollen Blick auf eine Zeit von Unsichtbarkeit und Repression.
Immer wieder finden die Liebenden zueinander: in schlecht getarnten Clubs, auf diskreten Privatpartys, zwischen Pferderennbahnen und abgelegenen Cruising-Areas am Rand der Zivilisation. Gerade in diesem historischen Setting entfaltet die lesbische Perspektive ihre volle Wucht: Muriels Sehnsucht bahnt sich ihren Weg durch eine heteronormative, feindliche Welt - vorsichtig, mutig und unaufhaltsam.
Platz 4: Drama Queens (7.3)
DRAMA QUEENS ist keiner dieser Filme, die höflich anklopfen - er tritt die Tür ein, schmeißt Glitzer in die Luft und dreht die Lautstärke auf Anschlag.
Im Zentrum: Mimi (Louiza Aura), die Anfang der 2000er in eine maßgeschneiderte Popkarriere manövriert wird. Und Billie (Gio Ventura), eine Punkmusikerin mit Wut im Bauch und null Interesse an Kompromissen. Natürlich knallt es. Aus Anziehung wird eine Beziehung, die sich über Jahre zieht, stolpert, wieder aufrappelt - und immer wieder mit den Erwartungen von außen konfrontiert ist. Während Mimi zur perfekten Projektionsfläche einer glattgebügelten Öffentlichkeit wird, bleibt Billie das Gegenbild: unbequem, nicht kompatibel mit dem Showbusiness.
Jahrzehnte später kramt Dragqueen Steevy Shady diese lesbische Liebesgeschichte wieder hervor und macht daraus ein schillerndes, leicht überdrehtes Musical irgendwo zwischen Popfantasie, Herzschmerz und Selbstermächtigung. Alexis Langlois inszeniert LES REINES DU DRAME (Originaltitel) nicht als tragische Romanze, sondern als überdrehtes Kräftemessen zwischen Anpassung und Widerstand.
Platz 3: Light Light Light (7.3)
LIGHT LIGHT LIGHT kam hierzulande als eine von vier TV-Premieren der LGBT-Filmreihe RBB QUEER erstmals groß raus, wurde im Juli 2025 ausgestrahlt und landete anschließend in der ARD Mediathek (nicht mehr verfügbar, aber diese anderen großartigen LGBT-Filme und -Serien schon). Die mit über 3,5 Millionen Streaming-Abrufen pro Jahr ziemlich erfolgreiche Queer-Cinema-Reihe wird auch 2026 im Sommerprogramm des RBB Fernsehens fortgesetzt, nachdem sie seit 2018 fest etabliert ist und 2025 in die achte Runde ging.
Regisseurin Inari Niemi und Drehbuchautorin Juuli Niemi, tatsächlich Schwestern, erzählen von der 15-jährigen Mariia (Rebekka Baer), die im Sommer 1986 in einem verschlafenen westfinnischen Dorf ihre erste große Liebe erlebt. Während die Welt gebannt auf die Katastrophe von Tschernobyl schaut, bringt die neue Mitschülerin Mimi (Anni Iikkanen) buchstäblich Licht in Mariias Leben.
Das Besondere: Trotz des historischen Kontexts wird hier nichts dramatisiert oder problematisiert. Stattdessen zeigen die Niemis die Beziehung zwischen Mariia und Mimi als einen selbstverständlichen, intensiven Teil des Erwachsenwerdens. Authentisch und frei. Lieben wir.
Platz 2: What a Feeling (7.7)
WHAT A FEELING erschien bereits im November 2024 auf DVD und als Stream und entwickelte sich schnell zu einer der erfolgreichsten Salzgeber-Veröffentlichungen des Jahres. Für das Ranking kam der Film allerdings "zu spät": Die nötige Mindestanzahl an Bewertungen wurde erst 2025 erreicht. Sonst hätte die österreichische Produktion unter der Regie von Kat Rohrer den DRAMAqueen USERaward 2024 abgeräumt. So reicht es am Ende mit starken 7.7 Punkten "nur" für Silber - denkbar knapp an Gold vorbei.
In der lesbischen Liebeskomödie verarbeitet Ärztin Marie (Caroline Peters) die plötzliche Trennung von ihrem Mann mit Hochprozentigem und enthemmter Kontaktfreudigkeit in einer Lesbenbar. Am nächsten Tag wacht sie verkatert und verwirrt neben der Grußbotschaft einer Frau (Proschat Madani) auf. Was zur Hölle?, ist ihr erster Gedanke. Ihr zweiter beim nächsten Aufeinandertreffen: Oh. Oh nein. Hilfe! Ich bin verknallt.
RomCom-Mäuse wie wir kommen auf dem Weg zum (erwartbaren, aber schönen ) Happy End voll auf ihre Kosten. Klar, es gibt ein paar unangenehme Momente - etwa die cringe Rap-Einlage von Maries Angebeteter auf der Bühne. Aber genau diese Mischung aus Fremdscham und Charme macht den Film so liebenswert. WHAT A FEELING ist kurzweilig und niedlich. Wer noch nicht hat: Anschauen!
Lieblingszitat und bei uns seitdem ein geflügeltes Wort: "Jetzt werd nicht banal." 😀
Bester L-Film 2025: Oslo Stories: Träume (7.8)
OSLO STORIES: TRÄUME ist der zweite, eigenständige Film der queeren Oslo-Trilogie von Dag Johan Haugerud - und ganz nebenbei der bestbewertete Lesbische Film des Jahres. Im Mittelpunkt steht Teenagerin Johanne (Ella Øverbye), die sich zum ersten Mal verliebt - in ihre lesbische Lehrerin (Selome Emnetu). Was folgt, ist kein Skandaldrama, sondern ein erstaunlich offener, kluger Blick auf Identität und Zuschreibungen.
Johanne verfasst einen detailreichen Text über ihre Gefühle, zwischen Tagebuch und literarischem Experiment, und löst in ihrem Umfeld schnell eine hitzige Debatte aus. "Weil ich Johanna liebe, bin ich queer?", fragt sie, nachdem ihre Mutter über ihren "Roman" philosophiert und dabei von einem queeren Erwachen spricht. Auf diesen Gedanken ist Johanne vorher nicht gekommen, sie reagiert sichtlich erstaunt. Dieser Moment ist ein faszinierender Kniff: Liebe betrifft einen Menschen, nicht verallgemeinernde Kategorien. Für Johanne existieren solche Kategorien (noch) nicht.
Haugerud spielt virtuos mit dieser Ambiguität, mit leisen Verschiebungen, trockenem Humor, Irritationen und Metaebenen - auf eine progressive, sehr eigenwillige, sehr reflektierte Weise. OSLO STORIES: TRÄUME ist der queerste und beste Lesbische Film 2025.




