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DRAMAqueen USERaward 2025: Die besten Gay-Filme des Jahres

DRAMAqueen USERaward 2025: Die besten Gay-Filme des Jahres

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Unsere Leser:innen haben auch in diesem Jahr, nun schon zum 13ten Mal, über die besten LGBT-Filme und -Serien abgestimmt. Die Gewinner:innen der DRAMAqueen USERawards 2025 stehen fest. Hier stelle ich euch die beliebtesten und unbeliebtesten Filme mit schwulen Charakteren vor.

Johannes Jarchow | 13.03.2025

Der Hauptverband Deutscher Filmtheater verkündete im Januar einen Zuwachs der Kinobesucherzahlen im Vergleich zu 2024 - dank eines starken Weihnachtsgeschäfts. Der bis dahin erfolgreichste Film, DAS KANU DES MANITU, hatte eine queere Nebenfigur: Winnetouch. Ausgerechnet. Inzwischen wurde der Rekordhalter jedoch vom durch und durch heteronormativen AVATAR: FIRE AND ASH überholt. Ein weiterer Film mit schwuler Nebenfigur knackte ebenfalls die Marke von einer Million Zuschauer:innen - 2024 waren es noch doppelt so viele. Elf queere Kinostarts erreichten 2025 ein sechsstelliges Ergebnis (2024: neun).

Unter dem Strich blieb der Anteil von LGBT-inklusiven Filmen an den Ticketverkäufen mit über zehn Millionen verkauften Karten (-6,5 %) relativ stabil, wozu vor allem Winnetouch und DIE DREI ??? UND DER KARPATENHUND beigetragen haben. Deutlich schwächer sah es allerdings bei Filmen mit einer klaren LGBT-Hauptthematik aus: Hier gab es einen dramatischen Rückgang um 77 % gegenüber dem Vorjahr. Nur noch 0,5 % aller Kinobesuche entfielen auf diese Kategorie - kaum mehr als beim bisherigen Tiefstand im Coronajahr 2020 (0,4 %).

Erfreulich hoch bleibt dagegen der Zuschauer:innen-Anteil deutscher Produktionen unter den Filmen mit LGBT-Relevanz (63,0 %). Bei Filmen mit expliziter LGBT-Hauptthematik beträgt er allerdings nur erschreckende 3,0 %. Queer Cinema aus Deutschland war 2025 kommerziell nahezu bedeutungslos. Eine deutsche Synchronisation erwies sich weiterhin als entscheidender Erfolgsfaktor: Nicht-synchronisierte OmU-Fassungen machten an der Kinokasse lediglich 1,3 % aus.

Insgesamt gab es 2025 777 Kinostarts - Konzertfilme, Live-Übertragungen und Special Screenings nicht mitgerechnet. Das ist der höchste Wert in unseren Aufzeichnungen seit 2010. Die Verleiher setzen somit weiterhin auf die Kraft des Kinos - sei es zur direkten kommerziellen Auswertung oder um spätere Digitalveröffentlichungen zu pushen. 13,5 % der Kinostarts waren queer (-1,8 Prozentpunkte), während 4,8 % - exakt wie im Vorjahr – eine:n LGBT-Protagonist:in hatten.

Am Ende kommt es es ja nicht nur auf die Quantität an. Viel Schrott macht die Welt auch nicht besser. Unsere befragten Leser:innen sind augenscheinlich zufrieden mit dem, was ihnen 2025 vorgesetzt wurde. Kein einziger Film erhielt auf der Skala von 1 (Shit) bis 10 (Hit) eine unterdurchschnittliche Bewertung, also unter 5. Der am schlechtesten bewertete Gayfilm, DARKLANDS (2024), erhielt mit 5,7 ein durchaus solides Rating. Danach ging es mit SLASHER IN DER HIGHSCHOOL (6,1), DER SENATOR (6,2) und der Fortsetzung der italienischen Queermödie MASCARPONE: THE RAINBOW CAKE (6,3) zügig aufwärts. Die höchste Bewertung und damit den DRAMAqueen USERaward 2025 erhielt (ebenfalls) ein Film mit einer schwulen Thematik. Doch der Reihe nach ...

 

Gotteskinder | Film 2024 -- Stream, DVD, Schwul, LGBT, Kino
Gotteskinder (2024) © Kinescope Film/ NDR/ W-Film

Platz 5: Gotteskinder (7,6/10)

GOTTESKINDER ist die einzige deutsche Produktion in den Top 5 der Leser:innen-Charts. In den Top 10 findet sich nur noch eine weitere: die beeindruckende Dokumentation BALDIGA - ENTSICHERTES HERZ auf Platz 9, zuletzt im RBB zu sehen und bis zum 2. April in der ARD-Mediathek verfügbar.

Wenn die Berlinale 2026 ein Vorgeschmack darauf war, was wir künftig im Kino oder Fernsehen zu sehen bekommen, sieht es für den Produktionsstandort Deutschland allerdings düster aus. Im Teddy-Programm fand sich gerade einmal eine rein deutsche Produktion - das ZDF-Thrillerdrama STAATSSCHUTZ - und dort spielt die queere Identität der Hauptfigur nicht einmal eine größere Rolle.

GOTTESKINDER erzählt vom Leben einer Familie, die eng mit einer evangelikalen Sekte verbunden ist. Dass der Sohn schwul ist, wird schnell zum vorantreibenden Konflikt. Der Film konfrontiert sein Publikum mit einer emotionalen Wucht, die kaum Verschnaufpausen lässt: Schlag auf Schlag geht es um traumatische Erfahrungen, familiäre Spannungen und religiösen Druck. Das ist handwerklich stark gemacht und entwickelt eine enorme Wirkung - allerdings auch eine, die kaum Zeit lässt, das Gesehene zu verarbeiten.

Aus der evangelikalen Szene, von der sich Drehbuchautorin Frauke Lodders ein Jahr lang beraten ließ, kam Kritik an der dramatischen Zuspitzung. Tatsächlich positioniert sich Lodders sehr deutlich gegen queer- und frauenfeindliche Repressionen - etwa indem sie den verheerenden Einfluss der aus gutem Grund verbotenen Konversionstherapie auf Jugendliche zeigt.

Ein herausfordernder, wichtiger Film.

 

Eden und Charlie | Film 2024 -- Stream, DVD, Queer Cinema, LGBT, Schwul
Eden und Charlie (2024) © Collectif des Routes/ NQV Media

Platz 4: Eden & Charlie (7,7)

Zum zweiten Mal in der Geschichte der DRAMAqueens hat es ein Kurzfilm in die Top 5 geschafft. 2022 wählten die QUEERmdb-Leser:innen den 23-minütigen Anime TWITTERING BIRDS NEVER FLY: DON'T STAY GOLD auf Platz 5 der besten Filme mit schwuler Thematik. In diesem Jahr gelingt dem französischen Drama EDEN & CHARLIE ein ähnlicher Coup - mit einer sogar um 0,1 Punkte höheren Durchschnittsbewertung. Wobei "Kurzfilm" hier fast untertrieben ist: Mit 45 Minuten bewegt sich das Werk bereits im Bereich eines Mittellangfilms.

Regisseur Benoît Duvette knüpft damit an seine früheren Arbeiten an, in denen er sich mit Identität, Körper, Metamorphose, Verlassenwerden und Verlangen beschäftigt. Die beiden Titelhelden treffen sich in einem verlassenen Haus irgendwo auf dem französischen Land. Duvette setzt gleich mit dem Zielpunkt ein: einem Kuss. Danach richtet sich der Blick auf den Weg dorthin - das vorsichtige Umkreisen, das Austesten von Grenzen, das gegenseitige Abtasten. Und schließlich auf das Eingeständnis des eigenen Begehrens.

EDEN & CHARLIE entfaltet sich in einem sehr langsamen Rhythmus. Für die Darsteller ist das eine Herausforderung, denn viele Szenen bestehen aus Pausen, Blicken und Schweigen. Viel Dialog gibt es nicht. Gerade Néven Carron als Charlie gelingt es, diese Leerstellen mit authentischer Präsenz zu füllen.

Charlie ist einen Schritt weiter als Eden und flirtet von Anfang an offensiv. Sein Drängen wirkt stellenweise fast übergriffig - wird aber durch die entrückte Atmosphäre des Films abgefedert. Vieles wirkt leicht bis deutlich surreal, beinahe künstlich. Oder, wenn man so will: sehr bewusst künstlerisch.

Auch der Soundtrack trägt dazu bei. Er ist ungewöhnlich dominant und gibt die emotionale Tonlage vor: Drama, Tragik, Melancholie. Carron singt DIDO’S LAMENT aus Henry Purcells Oper DIDO AND AENEAS zwei Mal selbst. Dass er Talent hat, stellte er bereits in der 14ten Staffel der französischen THE VOICE - Variante unter Beweis und schaffte es ins finale Team der Pop-Sängerin Jenifer. Der Film beginnt und endet mit dieser Klage, deren berühmte Zeilen wie ein Kommentar über der Geschichte schwebt:

When I am laid in earth
May my wrongs create no trouble.
Remember me, but forget my fate.

Im Kern geht es genau darum: um Edens Versuch, "normal" zu sein - also sein Begehren zu verdrängen - und um den Moment, in dem dieser Wunsch schließlich zerbricht.

Die Interpretation von Komponist Jean-Christophe Cheneval und Néven Carron am Ende ist für mich auch der stärkste Moment des Films. Und der musikalische Höhepunkt des Queer Cinema 2025.

 

Sauna | LGBT-Film 2025 -- Stream, DVD, Queer Cinema, Schwul, Transgender
Sauna (2025) © TrustNordisk/ Salzgeber

Platz 3: Sauna (7,8)

Fuck the cistem!

... sprühen die beiden Protagonisten unseres Drittplatzierten an die Wand. Mein erster Gedanke: Geht es hier (auch) um Legasthenie? Mein zweiter: Ist das Dänisch? Viele werden jetzt die Köpfe schütteln, die Augen verdrehen - oder wie ich kurz googeln. "Cis-System" hätten vermutlich alle verstanden. Ein F*ck gegen Diskriminierung, Cis-Hetero-Sexismus und gesellschaftliche Normen.

Genau davon handelt SAUNA von Mathias Broe - und zugleich vom Gegenteil. Broe nutzt das Vehikel einer Romeo-und-Julian-Lovestory: Der schwule Johan verliebt sich in den Transmann William. Anders als bei William Shakespeare überleben hier beide. Die Liebe allerdings nicht.

In der Ausgangsidee steckt reichlich Sprengstoff. SAUNA beschäftigt sich unter anderem damit, wie wenig Queerness in queeren Räumen tatsächlich gelebt wird. William, ein schwuler Transmann, wird aus einer Gaysauna geworfen, weil dort nur Männer erwünscht sind - biologische und phänotypische. Gleichzeitig fühlt sich Johan vom trans Freundeskreis seines Partners ausgeschlossen. Die Boxen, die wir eigentlich öffnen wollten, werden wieder zu Käfigen, die uns trennen. LGBT taugte hervorragend, um gemeinsam für Rechte zu kämpfen - als Identitätskonstrukt funktioniert das Bündnis jedoch längst nicht immer. Das ist die These, die Broe verhandelt, und das reale Dilemma dahinter:

I used to identify as a classic cis gay, but over the years my own identity has expanded and so has our environment. When we think about the LGBTQ+ umbrella, everyone assumes it’s the same struggle, but people fight different fights.

SOMETHING MUST BREAK (Platz 6 im DRAMAqueen-Voting 2015) trifft auf BOY (Platz 4 im Vorjahr). SAUNA rüttelt wach und gewinnt mit einer sensationellen Bewertung von 7,8 die Bronzemedaille.

 

Young Hearts | Film 2024 -- Stream, DVD, Schwul, LGBT, Queer Cinema
Young Hearts (2025) © Films Boutique/ Salzgeber

Platz 2: Young Hearts (8,4)

Hätte ich es geschafft, diesen Artikel wie üblich schon im Januar fertigzustellen, hätte YOUNG HEARTS den DRAMAqueen USERaward 2025 gewonnen. Seit seinem Stream- und DVD-Release im Juli lag das Coming-of-Age-Drama in unserem Zuschauer:innen-Voting monatelang an der Spitze. Drei Produktionen lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, darunter auch eine LGBT-Serie. Erst Ende Februar wurde YOUNG HEARTS vom Thron geschubst.

Und ehrlich gesagt: Ich bin darüber gar nicht unglücklich. Ich verstehe sehr gut, warum so viele Menschen diesen Film feiern - aber ich tue mich schwer damit, einen generischen Coming-Out-Film zum besten LGBT-Film des Jahres zu küren. Müssen wir 2025 Liebe immer noch als Problem erzählen? Als etwas, das Scham auslöst und das man selbst vor empathischen, liebevollen Eltern versteckt?

Zumindest bei Geschichten über Erwachsene würde ich sagen: nein. Bei Jugendlichen sieht das anders aus. Queere Geschichten über Kinder und Teenager:innen sind nach wie vor selten - und genau deshalb wichtig. Queere Kinder brauchen diese Sichtbarkeit. Unbedingt.

Filme wie BEAUTIFUL THING kamen für mich zu spät, das Internet auch. Alles von dem, was YOUNG HEARTS zeigt, habe ich damals, in den 1990ern, verpasst. Vielleicht musste ich deshalb trotz meiner Skepsis gegenüber Coming-of-Age-Filmen heulen.

Der Film dreht sich um das Gefühlschaos seines Protagonisten Elias, der sich in einen neuen Mitschüler verliebt. Anders als er ist Alexander offen schwul. Warum Elias das auch in seinem freundlichen Umfeld nicht sein kann, erzählt Regisseur und Autor Anthony Schatteman nicht.

Vielmehr erinnert er daran, wie real diese Angst für viele immer noch ist. Mit viel Wärme, Empathie und Ehrlichkeit zeigt Schatteman, dass es lohnt, sich ihr zu stellen und nicht davonzulaufen oder eine Lüge zu leben. Im Gegensatz zum DRAMAqueen-Gewinner 2023, CLOSE, gelingt die Auflösung des inneren Widerstandes harmonisch, so dass sich YOUNG HEARTS das von vielen sehr geschätzte Label des Wohlfühlfilms verdient hat. Und das wiederum zerstreut auch meine Bedenken.

Man kann über YOUNG HEARTS streiten. Aber dass dieser Film so viele Menschen berührt hat, versteht man spätestens, wenn die Tränen kullern. Ein bewegendes Stück queeres Kino - und ein absolut verdienter Platz 2.

 

Sebastian | Film 2024 -- Stream, DVD, Queer Cinema, LGBT, Schwul
Sebastian (2024) © Level K Film/ Salzgeber

DRAMAqueen USERaward 2025: Sebastian (8,5)

Bevor wir den Gewinnerfilm feiern, müssen wir noch über QUEER reden. Warum gibt es keinen Konsens darüber, dass der im Januar 2025 gestartete Kinoflop von Luca Guadagnino (CALL ME BY YOUR NAME) grandios ist? 2024 konnten wir uns doch auch auf einen ebenso abseitigen Liebesfilm wie ALL OF US STRANGERS einigen. QUEER bringt eigentlich genau die Mischung mit, die bei unseren Abstimmungen oft gewinnt: Prestige, klarer LGBT-Fokus und Kritikerliebe. Für den lang erwarteten Daniel-Craig-Heroin-Chic wurden in unserem Voting mit Abstand die meisten Stimmen abgegeben. Das Problem: Die Bewertungen lagen extrem auseinander - von 1 bis 10 war alles dabei. Am Ende stand ein Durchschnitt von "nur" 6,7.

Ganz anders sieht es bei SEBASTIAN aus. Hier herrscht praktisch Einigkeit. Nur eine einzige Bewertung fiel deutlich nach unten aus. Allen anderen war klar wie Gemüsebrühe: Das ist ganz großes Kino.

Das Psychogramm eines Sexarbeiters ist erst der zweite Spielfilm des finnischen Regisseurs Mikko Mäkelä, der bereits nach seinem Debüt DIE HÜTTE AM SEE von IndieWire zu den 25 vielversprechendsten aufstrebenden LGBTQ-Filmemacher:innen gezählt wurde. Mit SEBASTIAN bestätigt er dieses Talent eindrucksvoll.

Im Zentrum steht der 25-jährige Max, ein Schriftsteller in London. Tagsüber arbeitet er für eine Literaturzeitschrift, nachts verdient er Geld als Escort - unter dem Pseudonym Sebastian. Je tiefer er in dieses Doppelleben eintaucht, desto mehr beginnen die Grenzen zwischen beiden Identitäten zu verschwimmen. Inspiration, Selbstinszenierung, Sehnsucht und Selbstzerstörung gehen zunehmend ineinander über.

Der Weg, den Max dabei einschlägt, ist alles andere als geradlinig. Immer wieder trifft er Entscheidungen, die überraschen, manchmal auch irritieren. Warum diese Angst, aufzufliegen? Warum zieht es ihn immer weiter in eine Welt hinein, die zunächst nur Stoff für seinen Roman liefern sollte?

SEBASTIAN ist voller Widersprüche - und genau das macht ihn so faszinierend. Der Film bewegt sich zwischen Selbstfindung und Selbstverlust, zwischen künstlerischem Anspruch und körperlicher Erfahrung, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Er wirkt manchmal wie der Roman, den Max zu schreiben versucht: roh, riskant, voller Ideen, die sich nicht immer sauber auflösen, aber genau dadurch eine ungeheure Energie entwickeln.

Am Ende wird daraus ein intensiver Trip in menschliche Abgründe - unbequem, hypnotisch und ehrlich. Ein Film, der seine Zuschauer:innen herausfordert, fesselt und lange nachwirkt.

Unsere Leser:innen haben gesprochen: SEBASTIAN ist die beste LGBT-Produktion des Jahres - und ein mehr als würdiger Gewinner des DRAMAqueen USERawards 2025.

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