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lgbTVSCAN: Ergebnisse der TV-Studie

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In den westlichen Medien sind schwul-lesbisch-trans*geniale Themen gerade wieder, wie jedes Jahr im Juli, schwer in Mode. So startet auch Deutschlands erste Queerfilmereihe nicht zufällig am Donnerstag mit dem DRAMAqueen USERaward - Gewinner GOD'S OWN COUNTRY im RBB. Doch wie queer sind deutsche TV-Sender eigentlich? Unsere Fernsehstudie lgbTVSCAN offenbart ein düsteres Bild mit nur wenigen Lichtblicken.

Johannes Jarchow | 15.Juli 2018

Schaut man sich die Queerfilmquote der einzelnen Sender an, die in der TV-Studie in Zufallsstichproben erfasst wird, tun sich große und systematische Unterschiede auf. In der aktuellen Woche hat Das Erste mit 12,5% die höchste Queerfilmquote. Der Disney Channel zeigte am Donnerstag den Spielfilm LIEBE IN JEDER BEZIEHUNG (schwule Nebenthematik) und in der gesamten Woche nur drei weitere heteronormative, was zum zweithöchsten Wert von 10% führte. Es folgen HR (9,1%), RTL 2 (7,7%), BR (6,7%), Tele 5 (6,5%), ARTE und One (je 4,6%) und ZDFneo (4,2%).

Die Mehrzahl der deutschen Fernsehsender haben keine einzige Produktion mit LGBT-Charakteren programmiert, was besonders ärgerlich bei den spielfilmlastigen Kanälen 3SAT (24 Filme), MDR (23 Filme) und ProSieben (16 Filme) ist. Der RBB zeigte 14 Filme, wovon ebenfalls kein einziger einen LGBT-Charakter beinhaltete. Typisch für den RBB. Dass in dieser Woche gleich zwei Privatsender im Ranking auftauchen ist dagegen nicht typisch. Beim letzten Messzeitpunkt im Juni hatte keine kommerzielle Fernsehstation einen queeren Spielfilm im Programm.

Dabei wurden in Deutschland zahlreiche Queerfilme veröffentlicht, von denen es aber nur ein Bruchteil ins Fernsehen schafft. Die für die Queere Medien Datenbank erhobenen Daten zeigen hier einen robusten und aufwärtsgerichteten Trend. Seit 2014 ist die Queerfilmquote im Kino von 5,9% auf 7,9% im letzten Jahr gestiegen. Bei den Direct-To-DVD-Veröffentlichungen schwankt sie zwischen 6,3% (2017) und 8,2% (2014). TV-Sender programmieren also eindeutig homophob und zeigen vor allem immer wieder die gleichen Filme in Dauerrotation.

Und diese laufen fast nie zur besten Sendezeit. Die aktuelle Woche ist da schon eine absolute Ausnahmeerscheinung. Drei Filme in der Primetime hatten schwule und lesbische Themen: Marsland (Tele 5), Ein Mann namens Ove (Das Erste) und Mamma Mia! (RTL2). Die beiden letztgenannten aber nur in kleinsten Nebenhandlungen von nur wenigen Sekunden Dauer. Es ist sicher davon auszugehen, dass keine Programmierung wegen, sondern trotz schwuler und lesbischer Nebenfiguren erfolgte.

Warum am Dienstag die Free-TV-Premiere des lesbisch-genderqueeren Historiendramas THE GIRL KING von Mika Kaurismäki erst um 21:55 Uhr lief, nach dem Klassiker EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN von 1990, ist völlig unklar. Von ARTE gab es dazu wegen der Urlaubszeit bislang keine Reaktion. Immerhin, anders als beim RBB, kann man den Film noch bis Donnerstag in der Mediathek als kostenlosen Stream sehen.

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