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RBB QUEER: Ablenkungsmanöver um Mitternacht

RBB QUEER: Ablenkungsmanöver um Mitternacht

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In den westlichen Medien sind schwul-lesbisch-trans*geniale Themen gerade wieder schwer in Mode - wie jedes Jahr im Juli. So startet auch Deutschlands erste Queerfilmereihe nicht zufällig am Donnerstag mit dem DRAMAqueen USERaward - Gewinner GOD'S OWN COUNTRY im RBB. Doch wie queer sind deutsche TV-Sender eigentlich? Unsere Fernsehstudie lgbTVSCAN offenbart ein düsteres Bild mit nur wenigen Lichtblicken.

Johannes Jarchow | 15. Juli 2018

Einmal im Jahr ist Gayfriendlyness ein omnipräsentes Phänomen. Es ist Pride-Zeit. Medien, Marken und Prominente schmücken sich damit, ihre Unterstützung auszudrücken und Zeichen gegen Trans- und Homophobie zu setzen. Fox Germany nutzt die Gunst der Stunde und bringt Hollywoods erste schwule Teenielovestory, LOVE SIMON, in die Kinos und der RBB startet neun Tage vor dem Berliner CSD unter dem Namen RBB QUEER eine Filmreihe mit schwuler und lesbischer Hauptthematik. Transsexuelle Charaktere kommen nicht vor.

RBB QUEER ist die erste Reihe dieser Art im deutschen Fernsehen. Björn Koll, Geschäftsführer der Edition Salzgeber, die sieben der insgesamt neun Kinoproduktionen im Verleih hat, spricht dem RBB eine Vorreiterrolle zu. Zu unrecht. Denn außerhalb der Pride-Saison gehört der RBB zu den TV-Sendern mit dem geringsten Anteil von Queerfilmen im Programm, wie die QUEERmdb-Fernsehstudie belegt.

Die meisten Leute verstehen nicht, dass ich mein ganzes Leben lang dabei zugesehen habe, wie die Liebesgeschichten anderer Leute auf der Leinwand realisiert wurden, aber niemals von jemandem, der das repräsentierte, wodurch ich und viele meiner Freunde durch mussten. [Greg Berlanti, Regisseur]

Seit 2017 wird die Queerfilmquote aller deutschen TV-Kanäle erhoben und zusammen mit den lgbTVTIPPS regelmäßig veröffentlicht. Sie liegt im Schnitt bei gerade einmal 2%. Jetzt, wo weltweit für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transsexuellen demonstriert wird, ist sie knapp doppelt hoch - in der aktuellen Woche beim höchsten Wert, der jemals gemessen wurde, nämlich 3,6%.

Das ist erfreulich, aber andererseits immer noch ein Zeichen dafür, dass im deutschen Fernsehen LGBTs grundsätzlich extrem unterrepräsentiert sind und nur dann bewusst und als gesondertes Paradiesvogel-Thema abgehandelt werden, wenn man kaum drum herum kommt. Im Lichte dieses Befundes wirkt eine Queerfilmreihe zwar engagiert, wichtig und richtig. Sie ist aber gleichzeitig ein trügerisches Symbol dafür, wie weit wir von Gleichberechtigung immer noch entfernt sind.

Seite 2: Ergebnisse der TV-Studie

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