QUEERmdbFAQs
In Indien wurde Homosexualität während der Dreharbeiten wieder unter Strafe gestellt und konnte mit lebenslanger Haft geahndet werden. So ist es nicht verwunderlich, dass schwule und lesbische Protagonisten in Bollywood-Filmen nicht vorkommen (dürfen). Als im September 2010 der bis dahin recht unbekannte indische Regisseur Sanjay Sharma seinen Film DUNNU Y auf dem Satrang Festival in Australien vorstellte, sprach man in westlichen Medien von einer Revolution, weil zum ersten Mal die Liebe zweier Männer im Mainstream verhandelt wurde.
In Indien war die Reaktion religiöser Gruppen eine andere, vehement ablehnende. Die Eltern des Hauptdarstellers Yuvraaj Parashar haben ihren Sohn verstoßen. 93% der Bevölkerung gehören einer Religion an, davon 80% dem Hinduismus. Das absurde an der verbreiteten Homophobie ist, dass diese erst durch westliche, christliche Missionare eingeschleppt wurde - wie auch in weiten Teilen der nahöstlichen, asiatischen und afrikanischen Kultur. Vor diesem fatalen Brainwashing war der Hinduismus eine Religion, die Homosexualität audrücklich akzeptierte. Heute ist das Thema stark tabuisiert und kriminalisiert. Dass es DUNNO Y NA JAANE KYUN überhaupt in die indischen Kinos schaffte, ist die eigentliche Revolution. Auch wenn die schwule Kussszene teilweise herausgeschnitten wurde.
Ein Jahr vor KAPOOR & SONS wurde der indische Gayfilm LOEV (2015) veröffentlicht. Dieser erhielt zuvor nur deswegen eine Drehgenehmigung, weil Sudhanshu Saria und seine Produzenten einen anderen Plot als Coverstory einreichten. Nach der Fertigstellung wurde der Film in Indien mit einem Aufführungsverbot belegt. Erzählt wird die Liebesgeschichte von Musiker Sahil und Workaholic Jai, die sich bei einem gemeinsamen Ausflug in das Westghat Gebirge näherkommen.
2018 wurde die Kriminalisierung von Homosexualität in Indien aufgehoben, was an der angespannten Situation für LGBTs nichts geändert hat. 2020 erschien die erste schwule Bollywood-Liebeskomödie SHUBH MANGAL ZYADA SAAVDHAN*.
Fawad Khan, der den schwulen Rahul Kapoor spielt, ist gar kein Inder, sondern Pakistani. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in der pakistanischen 11-Millionen-Megacity Lahore. Homosexualität ist in Pakistan illegal und wird mit dem Gefängnis bestraft.