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Enzo (2025)

Enzo (2025)

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ENZO ist 16 Jahre alt und unglücklich - wie viele queere Teenager. Unglücklich verliebt in seinen erwachsenen Arbeitskollegen Vlad, unglücklich mit seinem Leben, dem Scheitern in der Schule, dem Erwartungsdruck seiner Akademiker-Eltern. Wenn er an Vlad denkt, fällt dies alles von ihm ab. Alles dreht sich nur noch um Vlad. Bis er ihm seine Liebe offenbart ...

OT: Enzo
AKA: Энцо
Drama (Frankreich/ Italien/ Belgien)
Thematik: schwul, bi, erste Liebe, Coming-of-Age, New Wave Queer Cinema, alle Tags
Laufzeit: 1 Stunde 42 Minuten
Premiere: 14. Mai 2025 (Cannes Directors' Fortnight)
KINOstart: 2. April 2026
OmU (OV: Französisch, Ukrainisch)

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Enzo | Film 2025 -- Stream, DVD, Queer Cinema, LGBT, Schwul

Mit Eloy Pohu (Enzo ♂♂), Maksym Slivinskyi (Vlad ♂♂♀), Pierfrancesco Favino (Enzos Vater), Élodie Bouchez (Enzos Mutter) u. a.

Regie: Robin Campillo ♂♂
Drehbuch: Robin Campillo, Laurent Cantet und Gilles Marchand

♂♂ schwul · ♀♀♂ bi

HANDLUNG VON ENZO
Hochsommer an der Côte d’Azur, ein Haus mit Pool und Meerblick. Eigentlich soll der sechzehnjährige Enzo die Schule beenden und studieren, wie es sich gehört. Doch im stillen Protest gegen die eigene Bourgeoisie fängt er auf einer Baustelle an - zum Missfallen seiner Familie.

Aber auch sein neuer Boss ist unzufrieden mit Enzo, weil dieser selbst mit den einfachsten handwerklichen Aufgaben Probleme bekommt. Viel wohler fühlt sich der Junge bei seinem älteren Kollegen Vlad aus der Ukraine, der Enzo gerne Fotos seiner weiblichen Eroberungen auf dem Telefon zeigt.

Der Arbeiter wird das männliche Vorbild, das dem behüteten Wohlstandskind vielleicht immer gefehlt hat - doch noch ganz andere Gefühle kommen zum Vorschein und machen alles komplizierter.

QUEERmdbFAQs
Robin Campillo und Laurent Cantet sind zwei Grand Monsieurs des französischen Kinos, die sehr gut vernetzt sind. An der Entstehung ihres Jugenddramas waren 26 Filmunternehmen und Financiers beteilgt, sowie elf Produzent:innen.

Robin Campillo (Regie und Drehbuch) gehört zu den profiliertesten schwulen Filmemachern der Gegenwart. Sein Thrillerdrama EASTERN BOYS - EDNSTATION PARIS (2013) befasste sich bereits mit queeren Themen und Migration. Den internationalen Durchbruch hatte er mit dem AIDS-Aktivismus-Drama 120 BPM (2017) (120 BATTEMENTS PAR MINUTE).

Laurent Cantet (Drehbuch und Vision) wurde 2008 mit der Palme d'Or von Cannes für DIE KLASSE (ENTRE LES MURS) ausgezeichnet. Er starb im April 2024 kurz vor Drehbeginn. Cantet hatte das Buch gemeinsam mit Campillo geschrieben, der die Regie übernahm, um das Vermächtnis seines langjährigen Freundes zu vollenden.

ENZO wird oft mit CALL ME BY YOUR NAME verglichen, bleibt aber durch den Fokus auf soziale und politische Spannungen bodenständiger - und realistischer. Das ist auch nicht schwer, wenn man einen Märchen- und Feelgood-Film als Referenz nimmt.

ENZO feierte seine Weltpremiere als Eröffnungsfilm der Sektion Directors' Fortnight bei den Filmfestspielen von Cannes 2025, wo er für die Queer Palm und dem Zuschauerpreis nominiert war. Die queere Palme ging in diesem Jahr an die Literaturverfilmung DIE JÜNGSTE TOCHTER nach einem Roman von Fatima Daas. Fun Fact: Dafür gab rekordverdächtige 12 Minuten Applaus.

Pierfrancesco Favino, der Enzos Vater Paolo spielt, war zuletzt im straightgewashten Biopic MARIA (2024) an der Seite von Angelina Jolie zu sehen. Luchino Visconti taucht hier nicht einmal als Sidenote auf, obwohl er mehrere zentrale Produktionen mit Maria Callas an der Mailänder Scala inszenierte, darunter Bellinis LA SONNAMBULA, Verdis LA TRAVIATA und Donizettis ANNA BOLENA. Diese gelten als Höhepunkte ihrer Karriere und hatten wesentlichen Anteil daran, ihren Weltruhm als außergewöhnliche Opern­schauspielerin (nicht nur Sängerin) zu festigen.

QUEERfaktor: 8/10

Es gibt drei Kategorien von Filmen: Filme, die etwas Neues zu erzählen haben; Filme, die das nicht können; und Filme, die nichts Neues erzählen, dies aber auf eine neue Weise tun. Robin Campillo und Laurent Cantet haben mich eine Stunde lang auf die falsche Fährte gelockt, um dann schnurstracks von Kategorie 2 auf Kategorie 1 abzubiegen. Mit quietschenden Reifen.

Lange denkt man: Hier sind wieder einmal Nichtheteronormative das gros problème, das Herzstück aller Konflikte, das tragische, bedauernswerte, knochenharte Schicksal unseres ach so schönen Helden. Dass Campillo und Cantet einem dies vorgaukeln, nur um es anschließend in die Luft zu jagen - mit Dynamit, russischen Kamikaze-Drohnen und tiefen Abstürzen –, ist queer as fuck. Wer Bullshit erwartet und stattdessen einen Rainbow-Cupcake serviert bekommt, entlarvt sich selbst als Feind im eigenen Kopf.

Und genau darin liegt die eigentliche Queerness dieser Inszenierung: nicht im bloßen Vorhandensein nichtheteronormativer Figuren oder Themen, sondern in der radikalen Verweigerung der erwartbaren Erzählordnung. ENZO nutzt vertraute Muster - Leidensnarrativ, Problemfokus, Opferlogik -, um sie gezielt zu unterlaufen. Er macht die normative Blickstruktur sichtbar, indem er sie erst bedient und dann sabotiert.

Queer ist hier die Verschiebung der Perspektive: Das vermeintliche "Problem" wird als Projektion entlarvt, die Tragödie als erzählerische Gewohnheit, nicht als Notwendigkeit. Die Inszenierung verweigert und verschiebt die Komfortzone - und genau darin liegt ihre politische und ästhetische Sprengkraft.

ENZO verknüpft das Erwachen der ersten großen Liebe mit Fragen von Klassenzugehörigkeit, dem Ukraine-Krieg und der Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die sich fremd anfühlt.

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